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Hundefreilaufhorror

Ich hasse Hundefreilaufwiesen. Jeder Hund braucht Freilauf und ich bin absolut gegen einen generellen Leinenzwang. Meinen Hund in ein Gehege zu sperren, in dem sich die Rüpel und Chaoten tummeln, die sonst nirgendwo abgeleint werden können, ist für mich aber keine Alternative für Feldwege, Wiesen und Waldabschnitte.

In der letzten Woche wollte unsere Hundetrainerin sehen, wie Elisa auf fremde Hunde in fremder Umgebung reagiert, weil unser Hund das Anschleichen und Scheinattackieren für sich entdeckt hat. Deshalb waren wir am Auberg in Mülheim, mit 40 ha eingezäunter Wiese die größte Freilauffläche in der Umgebung. Schön ist er, der Freilauf. Gepflegt, hoch eingezäunt und mit Kackbeutelspender am Eingang. Und außerhalb der Rush Hour kann man da bestimmt ganz gut hingehen. Aber unter der Woche zur Feierabenduhrzeit kann man sich besser einen angespitzten Bleistift ins Auge rammen, das macht sicher mehr Spaß.

 

Hinterm Eingang dauerte es nicht lange, bis der erste Junghund Elisa auf der Pelle hing. Elisa hätte mit ihrem bis zum Kinn eingeklappten Schwanz kaum deutlicher machen können, dass sie keine Lust auf Jagdspiele hatte, aber der Jungspund ließ nicht locker und zwickte ihr fröhlich in den Rücken. Genauso fröhlich, wie die Besitzerin daneben stolz flötete "Die ist sehr sozial!". Aha.

 

Da Elisa im Umgang mit anderen Hunden auch oft rüpelig ist, bin ich wirklich nicht empfindlich, wenn sie auch mal ihre Packung bekommt - solange es sich noch um Spiel und Käbbelei handelt und die Chancen einigermaßen gleich verteilt sind. Mobbt Elisa, oder geht sie anderen Hunden trotz Warnung weiter auf den Keks, wird sie zurückgepfiffen. Viele andere Hundebesitzer teilen meine Philosophie da nicht. So war ein Mann vom Typ "Die regeln das unter sich" reichlich desinteressiert, als fünf Minuten später sein Wolfhound-Mix meine Hündin über den Haufen mähte und im Anschluss nochmal Anlauf holte, um sie diesmal unter Zuhilfenahme seiner Zähne zu bearbeiten. Ins Gespräch vertieft, schaute das Herrchen gelangweilt auf und versuchte halbherzig, seinen kampflustigen Köter zurückzurufen. Da das nicht funktionierte, gab ich der pöbelnden Töle zu verstehen, dass seine Anwesenheit hier nicht länger erwünscht war. Sofort fingen Hund und Herrchen an, mich empört anzukläffen. Während der Hund unverschämt fand, dass ich ihm den ganzen Spaß versaute, schrie der Mensch: "Nicht in den Weg stellen, der hat Schutztrieb! Der geht eher auf Menschen als auf Hunde!". Als er meine grenzenlose Begeisterung über diese Aussage bemerkte, schob er noch hinterher: "Entspannen Sie sich mal." 

 

Nun, ich habe mich nicht entspannt. Meinen Plan, den Typen kopfüber in den Mülleimer neben dem Kackbeutelspender zu stecken, habe ich trotzdem vorerst aufgeschoben, denn an der nächsten Ecke lauerte schon eine Horde Windhunde. Zu fünft hetzten sie hinter der inzwischen völlig verstörten Elisa her und die Besitzer waren zu sehr mit Rauchen und Quatschen beschäftigt, als dass sie die Zeit gefunden hätten, einzugreifen oder sich wenigstens mal kurz umzudrehen. Nachdem es uns gelungen war, unseren Hund einzusammeln und uns die anderen einigermaßen vom Leib zu halten, haben wir das Training auf der anderen Seite des Zauns fortgesetzt - angeleint, aber entspannt.

 

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