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SitzPlatzAus - Über die Suche nach der richtigen Hundeschule

Als Neu-Hundebesitzer will man alles richtig machen: Die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse, die wirksamste Methode, die beste Hundeschule. Stattdessen trifft man bei Streifzügen durchs Internet auf viele Widersprüche: Hardliner und Pädagogen, die mit Clicker und die mit Wurfscheiben, jene mit Abbruchsignal und solche ohne, Unterwerfer, Positivbestärker, ganz ohne Druck oder mit Leinenruck. Wer da nach ein paar Stunden noch weiß, wo bei seinem Hund vorne und wo hinten ist, trifft spätestens auf dem nächsten Spaziergang auf jemanden, der einem mal erzählt, wie es richtig geht.

Der aus dem Fernsehen

Ist man dann vollends verunsichert, sind die ersten Probleme vorprogammiert, denn die meisten Hunde finden einen unsicheren Menschen entweder beunruhigend oder tanzen ihm auf der Nase herum. 

 

Mir war wichtig, unseren Hund gewalt- und kasernenhoftonfrei zu erziehen. Außerdem hatte ich keine Lust, auf dem Gelände einer Hundeschule mit zehn anderen stundenlang im Kreis zu laufen und abwechselnd Sitz und Platz zu machen. Deshalb entschied ich mich dazu, die Basiserziehung selbst zu übernehmen und an den größeren Baustellen gezielt im Einzeltraining zu arbeiten. Was sich anfühlte wie ein vernünftiger Plan, war in der Umsetzung gar nicht so einfach. 

 

Die erste Hundeschule, die Elisa und ich betraten, war eine der signalfarbenen Franchise-Schulen von "dem aus dem Fernsehen". Die Probleme, die wir mitbrachten, waren in erster Linie Elisas Angst vor Fremden, besonders vor Männern, und der Rückruf. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir sie gerade zwei Wochen. In einem umfangreichen Erstgespräch wurden alle Standards abgeklopft, die man auch in den hauseigenen Büchern nachlesen kann: Auswahl der Liegeplätze, Zuteilung von Spielzeug, Füttern erstmal nur über den Futterbeutel. Ich musste den Grundriss unserer Wohnung aufzeichnen und siehe da- kein Wunder, dass der Hund insgeheim versucht, die Weltherrschaft an sich zu reißen! Von ihrem Körbchen im Wohnzimmer konnte Elisa schließlich einen Blick auf den Flur, und, noch schlimmer, auf die Wohnungstür erhaschen, wenn sie den Hals nur lang genug machte. Da durfte ich mich doch bitte nicht wundern, wenn sie sich selbst für die Gebieterin über alle Menschen hielt, schließlich zwang ich sie förmlich in die Türsteher- und Entscheider-Rolle. 

 

Dass wir dieses Problem haben, war mir vor dem Gespräch gar nicht bewusst. Zutiefst erschüttert von meinem Versagen als Frauchen hoffte ich, mithilfe des richtigen Trainings noch eine zweite Chance zu bekommen.

 

Eigentlich hätte mich die Empfehlung, künftig jeden Besuch nur an der Hand durch die Wohnung zu führen, mit "Platz" und "Bleib" auf dem Sofa abzuliefern und zum Klo zu begleiten, damit der Hund sehen kann, dass ich alles im Griff habe, schon stutzig machen sollen. Stattdessen ließ ich mich im Anschluss auf einen fünfstündigen Apportierkurs ein, weil Beschäftigung der Schlüssel zur Lösung all unserer Probleme sein sollte. 

 

In den nächsten Wochen gab es Futter nur aus dem Dummy, der von uns fröhlich geworfen und von Elisa gelegentlich sogar zurückgebracht wurde. Wir zwangen uns, sie im Haus kaum zu beachten und trotzdem entwickelte sich weder ihr Unbehagen bei Begegnungen mit Fremden noch der Rückruf zum Guten. 

 

Heute gibt es das meiste Futter wieder aus dem Napf, Elisa darf auch mal im Flur liegen, wenns ihr Spaß macht und die meisten anderen Baustellen haben wir ganz gut im Griff. Nur zu diesem Apportierkurs müssten wir mal wieder gehen, wir haben nach 3 Stunden aufgehört...

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