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Brennpunkt Rumänien

Für die meisten Vereine, die sich dem Auslandstierschutz verschrieben haben, bildet Rumänien derzeit den Brennpunkt ihrer Arbeit. Seitdem am 2. September ein vierjähriger Junge auf einem Grundstück neben dem Bukarester Tei-Park tot und mit Bisswunden übersät aufgefunden wurde, ist die Toleranz der meisten Rumänen gegenüber Straßenhunden gegen null gesunken.

Der tragische Tod des kleinen Ionut konnte bisher nicht vollständig aufgeklärt werden, doch für die breite Öffentlichkeit trifft die Streuner die Schuld. Dabei wimmeln zahlreiche Medienberichte nur so von Widersprüchen und Verschwörungstheorien: So traf die Polizei am Tatort zwar auf sechs Straßenhunde, von denen einer Blut an der Schnauze hatte. Eine Untersuchung der DNA der Hunde ergab aber keine Übereinstimmung mit den Spuren an den Bisswunden. In der Nähe der Leiche wurde ein toter Pitbull gefunden, sodass der Verdacht laut wurde, der kleine Junge könnte auch einem Kampfhund zum Opfer gefallen sein. Hundekämpfe sind in Rumänien zwar verboten, aber in kriminellen Untergrundorganisationen floriert das Wettgeschäft. Wieder andere Quellen mutmaßen, das Kind sei möglicherweise missbraucht und ermordet worden und man habe versucht, die Tat zu vertuschen. 

 

Zahl der Hunde steigt kontinuierlich

 

Keine der Theorien macht das Kind wieder lebendig und das Geschehene ist und bleibt schrecklich. Fakt ist, dass Rumänien seit Jahren ein massives Problem mit Straßenhunden hat. Fakt ist auch, dass nicht alle der Hunde für Menschen ungefährlich sind. Der tägliche Kampf ums Überleben lässt viele der Tiere aggressiv werden und so entwickelt sich besonders in Rudeln schnell eine gefährlich Dynamik. Bewegungsreize, wie sie etwa von Joggern oder rennenden Kindern ausgesendet werden, lassen die Begegnungen zwischen Menschen und Streunern oft brenzlig werden. Die Zahl der Bissverletzungen entwickelt sich dabei wie die Zahl der Straßenhunde nur in eine Richtung: nach oben. Während 2010 noch 13.000 Bissverletzungen registriert wurden, zählte man 2012 schon über 16.000. Die Population der Streuner wuchs in den letzten zwei Jahren von 40.000 auf inzwischen etwa 65.000 Hunde. 

 

Das Geld versickert im Korruptions-Dickicht

 

Kaum zu glauben, dass der rumänischen Tierschutz-Aufsichtsbehörde rund vier Millionen Euro im Jahr zur Verfügung stehen - Geld, mit dem sich das Problem doch eigentlich in den Griff kriegen lassen sollte. Doch Korruption macht in Rumänien vor keinem Lebensbereich Halt, auch nicht vor dem Tierschutz. So flossen im vergangenen Jahr schätzungsweise nicht einmal 40.000 Euro in Kastrationsprogramme, also nur ein Prozent von dem Geld, das für diese Zwecke verfügbar gewesen wäre. Stattdessen wird der Bau staatlicher Tierheime subventioniert, die Betreiber erhalten pro aufgenommenem Hund bis zu 250 Euro. Ein äußerst lukratives Geschäft, besonders, weil die Zahlung unabhängig davon ist, wie lange der Hund im Tierheim bleibt. Verschiedene Tierschutzorganisationen und der ARD berichteten unlängst von den katastrophalen Zuständen in diesen Heimen, die gemeinsam mit Hundefängern eine unheilige Allianz bilden. Statt das Geld vom Staat für die Ernährung, medizinische Versorgung und Vermittlung der eingefangenen Straßenhunde zu verwenden, werden die Tiere oftmals gleich nach ihrer Ankunft getötet und ermöglichen so maximalen Profit bei minimalem Aufwand. Solange man die Zahl der Tiere durch die Durchführung von Kastrationsprogrammen nicht eindämmt, wird diese Geldquelle vorerst nicht versiegen. 

 

Goldene Zeiten für die Hundefängermafia

 

Stattdessen stehen der rumänischen Hundefängermafia nun goldene Zeiten bevor, denn nach dem Tod des kleinen Jungen forderten besorgte Rumänen eine schnelle Lösung des Hundeproblems. Deshalb boxte Präsident Traian Basescu im Eilverfahren ein Gesetz durch, dass die Tötung von Straßenhunden nun auch offiziell erlaubt, wenn sich nach 14-tägigem Aufenthalt in einem staatlichen Tierheim niemand findet, der sie adoptieren möchte. In einem Land, in dem das durchschnittliche Gehalt eines Bürgers bei weniger als 500 Euro im Monat liegt, kommt das einem Todesurteil gleich. 

 

Staatspräsident Basescu hatte schon zwischen 2000 und 2004, damals noch in seinem Amt als Bürgermeister von Bukarest, rund 140.000 Straßenhunde in einer groß angelegten Aktion töten lassen. Gebracht hat das nichts, denn immer wieder sorgen auch unkastrierte Hunde von Privatpersonen dafür, dass sich die Tiere immer weiter vermehren. Ein dauerhafter Populationsrückgang lässt sich nachweislich nur durch konsequente Kastration aller freilaufenden Hunde und Aufklärung der Bevölkerung erreichen - Anstrengungen, die die öffentliche Hand in Rumänien bis heute leider nie unternommen hat.

 

Weitere Infos

 

http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/sendung/br/rumaenien-hundemord-100.html

 

http://www.wdr.de/tv/tieresucheneinzuhause/sendungsbeitraege/2013/0929/00_hunde_rumaenien.jsp

 

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/strassenhunde-in-rumaenien-die-menschen-leiden-wie-die-hunde-12606407.html

 

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/rumaenien-tieraerzte-wollen-hundeplage-beenden-a-928217.html

 

 

Helfen?

 

Verschiedene Vereine setzen sich für die Straßenhunde in Rumänien ein und können jede Unterstützung gebrauchen. Hier seien nur einige von ihnen genannt, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

 

Tierärztepool

http://www.tieraerztepool.de/cms/de/tieraerzte-pool

 

Vier Pfoten

http://www.vier-pfoten.de

 

bmt - Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.

http://www.bmt-tierschutz.de

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