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Agathe Bauer oder: Warum Tierheim-Mitarbeiter unfreundlich sind

In meinem Leben habe ich mich mehr als ein Mal über unfreundliche Tierheim-Mitarbeiter geärgert. Da will man helfen oder interessiert sich für ein Tier, wird aber ignoriert, angeblafft oder seufzend und mit rollenden Augen abgestraft, weil man eine offenbar völlig bescheuerte Frage gestellt hat (und der einzige Mensch auf der Welt ist, der das irgendwie nicht mitgekriegt hat).

Sicher, es gibt auch Tierheim-Mitabeiter, die höflich, offen und gut gelaunt auf jeden Besucher zugehen und serviceorientert jede Anfrage und jedes Anliegen aufnehmen - und sei es noch so dämlich. Doch das ist eher die Ausnahme. Und warum das so ist, kann ich voll und ganz verstehen. Eigentlich wundere ich mich, dass nicht alle Tierheim-Mitarbeiter dieser Welt zu Menschenhassern mutiert sind und überhaupt noch ein Wort mit irgendwem wechseln, der auf zwei Beinen das Gelände betritt.

 

In den vier Wochen, in denen ich mir noch vormachte, nur Elisas Spaziergängerin zu sein und sie nicht mit nach Hause zu nehmen, habe ich vom Tierheim-Alltag wenige Ausschnitte mitbekommen. Die allein haben aber schon gereicht, um zukünftig Verständnis für jeden muffeligen Tierpfleger und jede schnippische Verwaltungsmitarbeiterin Deutschlands aufzubringen. Von der Scheidungs-Schlammschlacht um den Hund (der am Ende leider von keinem der beiden Ehepartner wieder abgeholt wurde) bis hin zu den haarsträubendsten Abgabegründen war alles dabei. Doch wer meint, schlimm seien nur diejenigen, die ihre Tiere im Tierheim abgeben und die Gutmenschen seien die Interessenten, die ein Tier bei sich aufnehmen wollen, der irrt.

 

Ein Fall, der mich besonders traurig gemacht hat, war der von Agathe Bauer (eigentlich nur Agathe, aber ihr wisst schon... der Song von Snap! ;-) ). Agathe Bauer war eine wurstförmige Hündin im besten Alter. Mit krummen Beinchen und den liebsten Augen stand sie jeden Tag ganz vorne am Tor und wartete. Das junge Gemüse, das sich hinter ihr im Freilauf balgte, war ihr zu wild und so stand sie immer etwas abseits. Und wartete. Jeden Tag. Vielleicht wartete sie dort auf ihre alten Besitzer, weil sie hoffte, eines Tages wieder nach Hause zu dürfen. Vielleicht wartete sie aber auch auf eine neue Familie. Jedenfalls wartete sie lange vergeblich, denn die meisten Besucher hatten nur Augen für die jungen Wilden.

 

Eines Tages fuhr ein Auto vor, aus dem drei ältere Herrschaften ausstiegen - zwei Frauen und ein Mann. Sie suchten für eine der Damen einen neuen Gefährten. Die Dame war selbst im Rentenalter und hatte die 70 sicherlich seit geraumer Zeit überschritten. Es dauerte nicht lange, da bot eine Tierheim-Mitarbeiterin überaus freundlich ihre Hilfe an: "Wie wäre es denn mit unserer Agathe? Das ist eine ganz ruhige und freundliche Hündin, das wäre sicher was für Sie!". Agathe Bauer schien zu bemerken, dass man über sie sprach. Sie näherte sich den Besuchern und wedelte vorsichtig mit dem Schwanz. Doch die Dame blickte nur kurz auf den Hund herab und sagte : "Die hat ja eine ganz graue Schnauze, wie alt ist die denn?". Die Tierheim-Mitarbeiterin antwortete: "Die ist sieben, aber das ist ja kein Alter." Die Dame winkte sofort ab: "Nein, das ist mir viel zu alt!". Die Tierheim-Mitarbeiterin, sichtlich fassungslos, aber immer noch sehr höflich, entgegnete: "Sie wird locker doppelt so alt. Kleine Rassen haben ja eine hohe Lebenserwartung.", aber die Interessentin hörte gar nicht zu und wiederholte stur: "Die ist zu alt!". Nun warf ihr Begleiter einen Blick auf die immer noch wedelnd und erwartungsvoll dastehende Agathe Bauer und fragte abwertend: "Hatte die mal Junge? Die Zitzen hängen ja so.".

 

In diesem Moment musste ich mich sehr zusammenreißen, um nicht lautstark meine Zweifel daran kundzutun, dass die Zitzen seiner Frau besser aussehen. Ich tat es nicht. Aber ich merkte, wie mir Tränen in die Augen schossen, weil ich so wütend war. Und die Tierheim-Mitarbeiterin? Sie war sehr gefasst, trotzdem freundlich und professionell. Selbst dann, als die garstige Alte auf einen jungen Foxterrier-Rüden zeigte und fragte "Was ist mit dem?". Da erklärte die Mitarbeiterin sogar noch geduldig, dass es sich um einen temperamentvollen Junghund handele, der gefordert werden müsse und viel Bewegung brauche. Die Alte bemerkte spitz: "Das ist kein Problem, ich habe eine große Wohnung, da kann er laufen.".

 

Spätestens jetzt hätte ich dem Rentner-Trio wahrscheinlich die Meinung gegeigt, doch die Mitarbeiterin hielt all das aus und blieb äußerst höflich auf ihrem Standpunkt, dass ein junger Terrier nicht das richtige Haustier für die Interessentin sei - bis die beleidigt und vor sich hin schimpfend abhaute.

 

Mich hat diese Situation einfach nur wütend und fassungslos gemacht, für Mitarbeiter in deutschen Tierheimen ist das trauriges Tagesgeschäft. Bevor ich mich das nächste Mal aufrege, weil ich mich im Tierheim ungerecht oder unhöflich behandelt fühle, denke ich an Agathe Bauer und daran, was die Mitarbeiter dort jeden Tag leisten. Danke, dass ihr trotzdem jeden Morgen wiederkommt!

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