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Why does it always rain on me?

Mein Hund schwimmt wie ein Weltmeister und stürzt sich in jeden See, jede Pfütze und jeden stinkenden Tümpel. Aber wehe, das Wasser kommt von oben. Während andere Leute an verregneten Sonntagen gemütlich auf der Couch sitzen und fernsehen oder lesen, stehe ich pitschnass am Waldrand vor der geöffneten Kofferraumklappe meines Autos und versuche, den Inhalt der Hundebox zum Aussteigen zu bewegen.

Noch kurze Zeit zuvor habe ich selbst mit einem Tee am Esstisch gesessen und gelesen, wurde dann aber von einer fiependen Elisa ziemlich penetrant auf ihre Langeweile und ihr vermeintliches Frischluftbedürfnis aufmerksam gemacht. Als treusorgendes Frauchen habe ich mich also umgezogen und in Anbetracht des Dauerregens entschieden, dass wir den Weg zum Wald wohl besser mit dem Auto fahren. Bis dahin war auch noch alles okay, der Hund ist begeistert eingestiegen - nur raus will sie jetzt nicht mehr. Keine Ahnung, ob sie erwartet hat, dass wir nur eine Runde Auto zu ihrer Belustigung fahren, denn normalerweise steht am Ende von fast jeder Fahrt ein Spaziergang (oder, wenns schlecht für sie läuft, ein Tierarztbesuch). Wie auch immer, ihre Meinung steht fest, die Box wird nicht verlassen.


Ich rede mit Engelszungen auf sie ein und versuche, sie zum Aussteigen zu motivieren. Keine Reaktion. In meiner Jackentasche krame ich nach Futter und muss feststellen, dass wir seit den Ergebnissen des Allergietests keine spektakulären Leckerlis mehr im Einsatz haben. In einer Situation, die Korruptionsmaßnahmen in Form von Tubenleberwurst oder Käse erfordern würde, wedele ich mit Gemüseringen vor Elisas Nase herum und komme mir dabei vor wie eine Ökomutter, die versucht, ihr Kind mit gepufften Dinkelstängchen aus einem Süßwarenladen zu locken.


Da der gewünschte Erfolg ausbleibt, versuche ich den "Die Mama geht jetzt ohne dich"-Trick. Aber das struppige Biest bleibt im trockenen Wagen sitzen und sieht mir nach, als wollte sie sagen "Viel Spaß, ich warte hier auf dich!". Nachdem ich (meine Jacke ist inzwischen vom Regen gut angefeuchtet) den Parkplatz rauf und runter gerannt bin, ohne dass es meinen Hund auch nur im geringsten beeindruckt hat, schalte ich in den Bad Cop-Modus und befehle mit strengem Ton den sofortigen Ausstieg aus dem Wagen. Was folgt, erfüllt vermutlich den Tatbestand von "Widerstand gegen die Staatsgewalt", denn das Tier widersetzt sich beharrlich meinen Anordnungen. Also umgreife ich ihren sitzenden Körper und versuche, sie in meine Richtung zu ziehen. Wahrscheinlich hat sie sich mit jeder Pfote in einer Ecke der Box verkeilt, denn ich schaffe es zum Verrecken nicht, diesen 20 Kilo-Köter aus dem Kofferraum zu bewegen.


Sie lässt mir keine Wahl. "Ich komme jetzt rein!" kündige ich an und klettere selbst in die Box, um den Hund von hinten anzuschieben. Dass mich keiner sieht, hoffe ich schon seit meinen ersten Lockversuchen vor zehn Minuten, denn elegant sieht anders aus. Meine Hose ist vom Rumrutschen auf der Ladekante des Volvos inzwischen vom Knie bis zum Schienbein komplett durchgeweicht.


Ob es an meinen Schiebekünsten liegt oder daran, dass es Elisa langsam zu blöd wird, mich zu verarschen, weiß ich nicht. Aber sie steigt aus. Endlich.


Am Ende unserer Runde springt mein Hund in lichtgeschwindigkeitsähnlichem Tempo wieder ins Auto. Als wir zu Hause ankommen, tropfen meine Klamotten und Elisa stinkt wie ein Iltis. Ich lege uns beide trocken, zelebriere die Rückkehr an den Esstisch und schaue aus dem Fenster. Es regnet nicht mehr.

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